Geschichte von Stuttgart-Sonnenberg

100 Jahre Sonnenberg und Sonnenberg-Verein

eine kurze Geschichte dieser Jahre - von Dr. Helga Wacker

Wie sah es um die Jahrhundertwende auf dem Sonnenberg aus? So weit man sehen konnte Baumwiesen, Hopfengärten und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sogar Weinberge. 1890 hatte der Möhringer Baumschulbesitzer Gottlob Schwab den ersten Obstgarten auf dem Sonnenberg angelegt. Weitere folgten zu Beginn unseres Jahrhunderts, besonders am Südhang. An der Laustraße entlang stand eine Allee mit riesigen alten Birnbäumen. 

1897 bauten der Lithograf Gottfried Berger und 1900 der Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Schickler Sommer- und Wochenendhäuschen. Dies waren wohl die beiden ersten Häuser auf dem Sonnenberg.

Die kleinen schatullenähnlichen Dampflokomotivchen der Filderbahn - natürlich eine Schmalspurbahn - schnauften von Neuhausen und Hohenheim kommend nach Degerloch.

Die Voraussetzung für die Entwicklung des Sonnenberg-Gebiets wurde erst geschaffen, nachdem 1901 der "neue" Westbahnhof in Degerloch (etwa an der Einmündung der heutigen Albstraße in die B 27) eröffnet wurde und nachdem 1904 die Straßenbahnlinie auf der neuen Weinsteige zwischen Bopser und Degerloch fertiggestellt und auch die Zahnradbahn elektrisch betrieben wurde. 

1903 errichteten der Rektor Dr. Lutz das Haus Sonnenbühl 40 und Wilhelm Fick, Präzeptor am Eberhard-Ludwig-Gymnasium, das Haus Sonnenbühl 25. Die Familie Fick erwarb im heutigen Sonnenbühl ein riesiges Grundstück, den Quadratmeter zu fünfzig Pfennig! Im gleichen Jahr wurde auch der heutige Gasthof Sonnenberg, die "Wirtschaft", wie man damals sagte, erbaut. Der Gastwirt Friedrich Kiess bediente sonntags die Stuttgarter Spaziergänger, die es sich sommers in der Gartenwirtschaft unter Kastanienbäumen wohl sein ließen. Der Sonnenberg war für die Stuttgarter wegen seiner herrlichen Aussichtslage ein lohnendes Ausflugsziel. Noch im selben Jahr gründeten Dr. Lutz und Präzeptor Fick (also die beiden ersten Bewohner!) zusammen mit dem oben erwähnten Baumschulbesitzer Gottlob Schwab den Sonnenberg-Verein. Sie machten sich die Erschließung des Sonnenberg-Gebiets zur Aufgabe. Die Geschichte der Sonnenberg-Siedlung ist also zugleich die Geschichte des Sonnenberg-Vereins. Beide lassen sich nicht voneinander trennen. 

Die Gründer unseres Vereins waren wirkliche Pioniere. In allen Zeitungen warben sie dafür, dass es noch weitere Mutige wagen möchten, sich in dieser Einsamkeit niederzulassen, und versuchten sich sogar im Dichten! Im Stuttgarter Neuen Tagblatt erschien 1903 folgende Anzeige:

Wer befreit von der Enge der Stadt in reiner Wald- und Höhenluft ein eigenes, gesundes und ruhiges Heim besitzen will, dem empfiehlt die herrlich gelegene Villen-Kolonie "Sonnenberg" a.d. Fildern bei Degerloch der Verein Kolonie Sonnenberg.

"Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah."
Goethes Worte wird begreifen,
Wer den Sonnenberg schon sah.
Sonne gab dem Berg den Namen,
Spendet Wärme seiner Hald',
Sprengt die Knospe, keimt den Samen,
Bis sie untergeht im Wald

Lieblich schweift der Blick ins Weite,
freuend sich an der Natur,
Nah von dort ein, fromm Geläute,
Über Hügel Feld und Flur.

Ferne von der Stadt Gewimmel,
Frische, freie Filderluft...
Sonnenschein und blauer Himmel,
Vogelsang und Waldesduft.

"Hier ist's wohl sein", hier im Stillen
Nach des Tages Müh und Last,
Und in hübschen kleinen Villen
Hält schon mancher seine Rast.

Wer ein friedlich Heim benötigt,
Ziehe frohen Muts dort ein.
Zu dem Weitern sich erbötigt
Sich der "Sonnenberg-Verein"!

Aber in den ersten Jahren war der Erfolg dieser Werbung nicht sehr groß. Wohl kamen sonntags die Spaziergänger, um zu schauen, wo sich diese Käuze ein Haus hingestellt hatten. Auch einige Interessenten kamen. Sie brachten jedoch auch ihre Frauen mit; und als diese erfuhren, dass es noch nicht einmal eine Wasserleitung gab, dass man das Wasser vielmehr am eigenen Brunnen holen musste, dass man noch Petroleumbeleuchtung hatte, wo es doch sonst schon überall Gas gab, und dass man zum Einkaufen eine halbe Stunde über Feld musste, redeten sie ihren Männern die Idee hierher zu ziehen, schnell wieder aus.

Der erste Erfolg des neu gegründeten winzigen Vereins war, dass eine Bedarfshaltestelle der Filderbahn eingerichtet wurde. Allerdings musste man bei Nacht mit einer Laterne winken, wenn man mitgenommen werden wollte!

Im folgenden Jahrzehnt wuchs die "Landhaus-Kolonie Sonnenberg", wie sie damals hieß, nur langsam und dehnte sich in Richtung Bahnstation aus. Zu Beginn des ersten Weltkriegs wohnten ein Dutzend Familien auf dem Sonnenberg. Ende der zwanziger Jahre wurde es auf dem Sonnenberg allmählich zivilisierter: Schon seit 1906 gab es eine Wasserleitung und seit 1925 sogar Gasanschluss! 1928 wurde die heutige Laustraße vom Schatzweg bis zur Heinestraße gebaut, 1932 wurden Abraham-Wolf-Straße und der östliche Teil der Anna-Peters-Straße chaussiert, nicht etwa voll ausgebaut! 1927 eröffnete Familie Hub den ersten Laden (heute Elektro-Lerch), 1931 kam noch eine Bäckerei dazu (heute Bäckerei Schrade). Aber noch bis 1939 hatte der Sonnenberg keine eigene Metzgerei.

Nachdem die Gemeinde Möhringen 1930 einen Ortsbauplan für das Sonnenberg-Gebiet erstellt hatte, ging es rasch vorwärts: 1934/35 gab die Gemeinde Möhringen aus ihrem Besitz 55 Bauplätze im sog. "Laugut", dem heutigen Feuerreiterweg und der heutigen Vollandstraße, zu einem Quadratmeterpreis von RM 7,50 bis RM 8,- ab; 1936 wurden in der Kremmlerstraße 30 gemeindeeigene Plätze zum Quadratmeterpreis von RM 8,50 in zehn Monaten verkauft. Allein in den Jahren 1934- 1936 wurden 202 Neubauten erstellt. In den dreißiger Jahren war der Sonnenberg eine einzige Baustelle! Es war damals wirklich ein Problem, morgens mit sauberen Schuhen zur Arbeit zu kommen. Aber man wusste sich zu helfen! Man ließ die schmutzigen Schuhe unter der Bank im Wartehäusle stehen und zog ein Paar schön polierte aus der Mappe. Abends für den Heimweg holte man sich die alten schmutzigen wieder. Es wurde versichert, dass nie ein Paar abhanden gekommen sei! Verpasste man einmal die Filderbahn, blieb einem nichts anderes übrig, als auf den Schwellen nach Degerloch zu wandern. Man brauchte aber keine Sorge zu haben, von einem Zug überfahren zu werden, denn die Züge fuhren anfangs alle Stunde, später halbstündig. In diesen entscheidenden Jahren gab es für den Sonnenberg-Verein viele große Aufgaben. Schon 1928 hatte sich der Verein ins Vereinsregister eintragen lassen und nennt sich seither "Sonnenberg-Verein e. V.". 1931 übernahm Friedrich Wacker die Leitung des Vereins. Blättert man die Protokollbücher dieser Jahre durch, so sieht man, was es alles zu tun gab: Bau von Abwasserkanälen, Ausbau von Straßen, Straßenbeleuchtung und immer wieder bessere Straßenbahnverbindungen nach Degerloch und zur Stadt. Noch immer musste man in Degerloch von der Filderbahn in die Straßenbahn umsteigen und noch einmal bezahlen.

Wie bequem haben wir es da heute: Ungefähr alle 5-10 Minuten bringt uns die neue Stadtbahn in etwa 12 Minuten in die Stadtmitte. 1935 betrug die Fahrzeit Sonnenberg - Schlossplatz noch 25 Minuten.

Wie rasch die Einwohnerzahl in diesen Jahren wuchs, zeigen folgende Zahlen:

1910    27 Einwohner
1925    126 Einwohner
1933    500 Einwohner
1935    680 Einwohner
1936    1000 Einwohner
1939    2500 Einwohner
1993    3241 Einwohner
2005    3685 Einwohner

Damit änderte sich auch das Siedlungsbild grundlegend:

Bei den ersten Wohnhäusern handelte es sich um villenartige Gebäude inmitten großer Grundstücke. Nach Abschluss der stürmischen Bautätigkeit der dreißiger Jahre ist der Sonnenberg ein Wohngebiet mit Häusern von großer Einheitlichkeit.

Wir können dies, wenn wir durch den Sonnenberg gehen, noch klar erkennen. Mit dem Anwachsen der Einwohnerzahl änderte sich auch die Bevölkerungsstruktur. Waren die Besitzer der ersten Häuser über wiegend höhere Beamte und Kaufleute, so konnten sich jetzt wegen der niedrigen Bauplatzpreise auch Bauherren mit kleinerem Geldbeutel ein Ein- oder Mehrfamilienhaus leisten. Über die Bautätigkeit auf dem Sonnenberg erschien 1938 sogar eine Dissertation! (Vgl. Quellenverzeichnis).

Nun wurde es immer dringender, dass die überwiegend evangelische Bevölkerung wenigstens einen Gemeindesaal bekam. Hierfür bot sich das Haus Schöttle in der Falkenstraße 8 an. 1935, als Möhringen eine zweite Pfarrstelle bekam, zog Pfarrer Gerhard Fischer mit seiner Familie in das Haus Schöttle ein und betreute von da ab die Sonnenberg-Gemeinde. Der erste Gottesdienst fand am ersten Septembersonntag 1935 statt. Sofort wurde auch regelmäßig Kinderkirche gehalten. Gottesdienste fanden zunächst vierzehntägig, ab 1937 dann jeden Sonntag statt. Da die Bevölkerung ständig weiter wuchs, wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche immer dringender. Da ein größerer Kirchenbau kurz vor Kriegsbeginn nicht mehr möglich war, waren die Sonnenberger glücklich, noch am ersten Sonntag im Krieg, am 3. September 1939, ihre Notkirche einweihen zu können. (1965 wurde diese Notkirche abgebrochen, um dem neuen Gemeindezentrum, das 1966 eingeweiht wurde, Platz zu machen.)

1942 wurde der Sonnenberg nach Stuttgart eingemeindet.

Der Sonnenberg-Verein konnte während des Krieges politisch seine Unabhängigkeit bewahren und beschränkte sich auf Angebote zur Gartenpflege und auf kulturelle Veranstaltungen.

Im Krieg blieb unser Stadtteil zwar von Zerstörungen großen Ausmaßes verschont, aber bei einem Luftangriff im Oktober 1943 brannten allein in der Kremmlerstraße und Umgebung über vierzig Häuser. Besonders große Schäden entstanden bei den schweren Luftangriffen im Juli 1944. Über zwanzig Menschen kamen während des Krieges auf dem Sonnenberg bei Luftangriffen ums Leben. Wer weiß heute noch, dass die Wendeplatte am Ende des Sonnenbühls durch den Stollenaushub entstand? .

Kaum hatten die Sonnenbergbewohner die Not des Krieges einigermaßen überstanden, als sie von einem schweren Schlag getroffen wurden: Im Frühjahr und Sommer 1946 musste fast der ganze Sonnenberg für die amerikanische Besatzungsmacht geräumt werden. Ausgenommen waren in der Hauptsache nur die Häuser an der Steilhanglage des Sonnenbühls und der Abraham-Wolf-Straße und die Häuser ohne Kanalanschluss. Es wird erzählt, dass die Bewohner dieser Häuser, als die amerikanische Prüfungskommission erwartet wurde, gemeinsam ihre Latrinengruben leerten. Den hygienebewussten Amerikanern war sofort klar, dass diese Häuser für ihre Zwecke unbrauchbar waren!

In Nacht- und Nebelaktionen versuchten die Bewohner trotz des Verbots der Besatzungsmacht ihr Hab und Gut auf kleinen Karren abzutransportieren. Der CVJM half dabei tatkräftig mit. Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Gerhard Fischer, verabschiedete jeden Sonntag im Gottesdienst die neu Ausgewiesenen. Insgesamt mussten 220 Häuser geräumt werden, und 2503 Sonnenberger mussten ihre Wohnungen verlassen. Der Sonnenberg wurde zu einer amerikanisch geprägten Siedlung. In der Notkirche wurden auch Gottesdienste für die Amerikaner gehalten. Dies hatte den Vorzug, dass die Kirche geheizt war!

Als der Sonnenberg-Verein 1948 seine Arbeit wieder aufnehmen durfte, setzte sich der damalige Vorsitzende Friedrich Wacker mit viel Mut und großem persönlichem Einsatz für die Belange der Ausgewiesenen ein. In Protestveranstaltungen und Demonstrationen auf dem Sonnenberg und an anderen Orten wurde auf die Notlage der Ausgewiesenen hingewiesen. 

Die Veranstaltungen des Vereins und vor allem die Ausflüge - manches Mal fuhr man mit fünf Omnibussen- waren willkommene Anlässe, sich wieder zu treffen, und stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl. Nach langem Kampf und zähen Verhandlungen wurde schließlich erreicht, dass Ersatzbauten für die Amerikaner erstellt wurden. Aber es dauerte volle neun Jahre, bis die Sonnenberger in ihre Häuser zurückkehren konnten. 1955 wurden ungefähr 100 Häuser freigegeben, und 1957 konnte man endlich die Freigabe des letzten Hauses feiern. 

In den sechziger Jahren versuchte der Sonnenberg-Verein - weiter unter der Leitung von Friedrich Wacker - wieder in hartem Kampf eine andere Führung der B 27 und B 27a zu erreichen und damit die Teilung des Sonnenberg-Gebiets, wie wir es heute vor uns haben, zu verhindern. Mit größtem Nachdruck wurde auf die Gefährdung der Gesundheit durch Autoabgase und auf die Lärmbelästigung hingewiesen, Gesichtspunkte, die heute bei der Straßenplanung selbstverständlich sind. Aber im Zeltalter der "autogerechten Stadt" fanden diese Warnungen kein Gehör. Die Zeit war noch nicht reif, Heute können sich die Beteiligten wenigstens sagen, nicht untätig zugesehen zu haben. Die Fußgängerbrücke über die B 27a ist nach Friedrich Wacker benannt, der den Sonnenberg-Verein 37 Jahre lang bis zu seinem Tod 1968 leitete, und führt ausgerechnet über die Straße, die er aufs heftigste bekämpfte! 

In den letzten Jahren konnte sich der Verein friedlicheren Aufgaben widmen. Wenn nötig, tritt er aber nach wie vor mit Nachdruck für die Interessen des gesamten Wohngebiets ein. So wandte er sich z. B. vor einigen Jahren zusammen mit der "Schutzgemeinschaft Betzengaiern, Kressart, Schwälblesklinge" erfolgreich gegen die Bebauung dieses ökologisch so wichtigen Gebiets.

Mit seinen kulturellen Veranstaltungen möchte er den Bürgern des Sonnenbergs und der Umgebung ein vielseitiges Programm bieten: Die Diavorträge über ferne Länder oder unsere nähere Heimat, Vorträge zur Landeskunde und zur Geschichte sowie über Probleme des Natur- und Umweltschutzes finden guten Anklang.

Nicht nur die früheren - und wohl auch die heutigen - Bewohner, sondern auch Künstler und andere bedeutende Persönlichkeiten hielten den Sonnenberg für , einen Platz an der Sonne'. Stellvertretend seien hier nur einige genannt:

Die Malerin und Begründerin des Württ. Malerinnenvereins Anna Peters ( 1843- 1926) bewohnte mit ihren Schwestern Pietronella und Ida das Haus Sonnenbergstraße 8 (heute Sonnenbühl). Im selben Haus war später die Malerin Emma Bechtle-Kappis, künstlerisch tätig. Der "Vagabundenkönig" Gregor Gog, (1891 - 1945), der sich sehr für die Obdachlosen einsetzte, fand mit seiner Frau, der Kinderbuchautorin Anni Geiger-Gog, einige Zeit im selbst erbauten Holzhaus Betzengaiern 3 eine Bleibe. Im Haus Betzengaiern 15 wohnte einige Zeit Willy Reichert ( 1896- 1973). Otto Konz ( 1875- 1965), ein engagierter Förderer der Neckar-Kanalisierung und Walter Erich Schäfer ( 1901 - 1986), 1947- 1972 Intendant der Württ. Staatstheater, verbrachten viele Jahre auf dem Sonnenberg, und auch Josef Eberle "Sebastian Blau" (1901 - 1986), 1945- 1971 Herausgeber der Stuttgarter Zeitung, hatte hier nach dem Zweiten Weltkrieg einige Zeit sein Domizil.

Heute ist unser Wohngebiet wieder im Wandel begriffen: Häuser aus den dreißiger Jahren oder auch ältere wurden bereits abgerissen, um weit größeren Bauten Platz zu machen. Die sehr hohen Grundstückspreise veranlassen die Bauherren, das Grundstück bis zum äußersten auszunützen. Wo früher ein stattliches Einfamilienhaus stand, finden heute neun Eigentumswohnungen Platz. Ein großes Gartengrundstück entlang der Bodelschwinghstraße (früher als Gärtnerei genutzt) wurde im Jahr 2000 durch viele dicht stehende Häuser für junge Familien bebaut. Diese Veränderungen sind nicht immer zum Vorteil des Ortsbildes.

Auch die Bewohner und ihr Verhältnis zueinander haben sich verändert. Wenn sich in der Pionierzeit ein neuer Bewohner an der Filderbahn-Haltestelle einfand, war es üblich, dass man sich vorstellte! Heute ist es auf dem Sonnenberg - wie überall - unpersönlicher geworden. Man kennt einander allenfalls in der Nachbarschaft oder innerhalb einer Gruppe, etwa die Eltern der Schul- und Kindergartenkinder oder auch wir im Sonnenberg-Verein.

Die ersten Bewohner des Wohngebiets, das einst den so exklusiv klingenden Namen "Villenkolonie Sonnenberg" trug, hatten sich nicht zu einem ebenso exklusiven Club zusammengeschlossen. Seiner Zielsetzung nach war der Sonnenberg-Verein vielmehr von Anfang an ein Bürgerverein, wenn er auch nicht ausdrücklich diesen Namen führte. Er ist, vom Verschönerungsverein Stuttgart abgesehen, der älteste Stuttgarter Bürgerverein und von deren Gründung an Mitglied der , Arbeitsgemeinschaft Stuttgarter Bürgervereine". Nach wie vor sieht es der Sonnenberg-Verein als seine wichtigste Aufgabe an, die allgemeinen Interessen der Sonnenbergbewohner zu wahren, die Wohnqualität des Stadtteils zu erhalten und, wo immer möglich, zu verbessern.

An den Zielen des Vereins, wie sie in der ersten Satzung zum Ausdruck kommen, hat sich nichts geändert. Bewohner des Wohngebiets Sonnenberg "haben sich zu einem Verein mit dem Namen Sonnenberg-Verein zusammen geschlossen, um ihre gemeinsamen Belange zu wahren und den persönlichen Verkehr untereinander zu pflegen."

Quellen

Burkhardt, Eberhard: Bautätigkeit, Boden- und Wohnverhältnisse der Villensiedlung Möhringen-Sonnenberg in den ersten Jahren der Entwicklung, Dissertation Tübingen 1935

Fischer, Gerhard: Der Anfang der Sonnenberg-Gemeinde (1935-47, unveröffentlichtes Manuskript l969)

Heimat- und Einwohnerbuch Möhringen a. d. Fildern 1937

Nopper, Frank: Unser Sonnenberg. In: Liebes altes Degerloch, Stgt. 1985

Protokolle des Sonnenberg-Vereins